Kroatien aus historischer Sicht

Burgruine in Kroatien © dvazen - Fotolia.com

Burgruine in Kroatien © dvazen – Fotolia.com

Kroatiens Geschichte ist aus heutiger Sicht überaus reichhaltig und mannigfaltig. Im einstigen Königreich Kroatien siedelten erwiesenermaßen bereits vor rund 130.000 Jahren Vorfahren des modernen Menschen. Zahlreiche archäologische Funde, wie beispielsweise die Neandertaler-Fundstätte in der Vindija-Höhle, zeugen von dieser Tatsache. Später ließen sich verschiedene Volksgruppen und Stämme in dem Land an der Adria nieder. Kroatien wurde im Zuge der griechischen Kolonisation besiedelt und erwuchs immer mehr zu einem starken und unabhängigen Staat, der dies nicht zuletzt im kroatischen Krieg zu Beginn der 90er Jahre deutlich machte. Die nachfolgenden Ausführungen sollen deshalb einen kurzen Abriss der Geschichte Kroatiens liefern und dabei auf besonders interessante und aufschlussreiche Details eingehen.

Kroatiens Rolle in Altertum und Mittelalter

Im 11. und 12. Jahrhundert vor Christi Geburt entwickelten sich die ersten größeren und festen Siedlungen auf dem Gebiet des heutigen Kroatiens. Im Zuge der griechischen Kolonisation ließen sich dort verschiedene Familien nieder, die Gründung der immer noch existierenden Stadt Split ist auf diese Zeit zurückzuführen.

Neben den griechischen Siedlern war auch der Volksstamm der Illyrer, die ihre Siedlungsgebiete auf viele Bereiche entlang der Adria und des südöstlichen Italiens ausweiteten besonders prägend für die Erschließung des heutigen Kroatiens. Später wurde das gesamte Gebiet schließlich dem Römischen Reich einverleibt, die einzelnen Stämme wie die Illyrer oder später die Delmataer unterstanden nun den römischen Machthabern.

Zum ersten Mal wird Kroatien namentlich in in einem Schriftstück aus dem 9. Jahrhundert nach Christus erwähnt, wobei stark davon auszugehen ist, dass der Name selbst aus dem persischen Sprachraum stammt. Bereits seit der Antike ist die Geschichte des heutigen Kroatiens durch seine besondere Lage innerhalb Europas gekennzeichnet. Mit seiner Küste direkt gegenüber von Italien und der unmittelbaren Nähe zu slawischen und vorderasiatischen Nachbarn, war Kroatien prädestiniert für eine strategisch wichtige Schlüsselposition im Kampf um die territoriale Vorherrschaft der einzelnen Mächte innerhalb Europas und Asiens.

Das kroatische Königreich

Ancient Roman Amphitheater in Pula, Istria, Croatia

Als erster König Kroatiens ernannte sich im 9. Jahrhundert nach Christus Tomislav zum Herrscher über das kroatische Herrschaftsgebiet. Bis zu diesem Zeitpunkt waren in Kroatien vorwiegend der Knes (auch Knez oder Knjas genannt) mit den Regierungsaufgaben betraut gewesen. Auch wenn dieser ebenfalls bereits mit einer Art König zu vergleichen gewesen ist, wurde das kroatische Königreich erst mit Tomislav ausgerufen. Dieses hatte bis ins Jahr 1102 Bestand und wich anschließend einer Personalunion mit Ungarn, in der Kroatien nicht mehr über einen eigenen König verfügte. Durch die Proklamation des Königreichs Kroatiens erlangte das Land erstmalig einen vollständig unabhängigen Status und konnte eine Art inkludierte Gemeinschaft ausbilden. Die Zersplitterung und Aufteilung in unterschiedliche Regierungsbezirke, die teilweise von anderen Staaten aus verwaltet wurde, hatte vorerst ein Ende.

Die Zeit nach der Krone

Die territorialen Ausweitungen des Osmanischen Reiches hatten auch Einfluss auf die herrschaftlichen Strukturen sowie die Souveränität Kroatiens. Aufgrund seiner besonderen Position wurde Kroatien schnell zum hart umkämpften Außenposten und hätte für die Ausweitung der eigenen Gebietsansprüche des Osmanischen Reiches eine wichtige Schlüsselrolle gespielt. Trotzdem konnte sich Kroatien dem zunächst entziehen. Die Einheit Kroatiens, die auch in der vorherigen Personalunion mit Ungarn Bestand gehabt hatte, erlitt jedoch heftigen Schaden.

Mit Beginn des 16. Jahrhunderts erfolgte dann eine herrschaftliche Aufteilung Kroatiens, nach der beispielsweise Teile Istriens und Dalmatien sich nunmehr der Verwaltung durch die Republik Venedig unterzuordnen hatten. Später dann führten die napoleonischen Kriege dazu, dass Teile Kroatiens unter der österreichischen Krone verwaltet wurden, während andere Bereiche von Ungarn aus regiert wurden. Aufkommende Bestrebungen der Kroaten, dem eigenen Staat wieder mehr Souveränität zu verleihen wurden abgeschmettert. Trotzdem gelang den Kroaten im 19. Jahrhundert die Durchsetzung einer standardisierten Sprache, was als wichtiger Schritt zur gemeinsamen Identitätsbildung war.

Der Erste Weltkrieg und die Folgen

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gelang es Kroatien, sich vom österreichisch-ungarischen Reich abzuspalten, wobei sich kurz danach die Italiener anschickten, weitläufige Gebiete Kroatiens zu annektieren. Als Gegenmaßnahme zu dieser Übernahme erfolgt der Zusammenschluss von Kroatien mit dem Königreich Serbien, in dessen Folge das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen entstand.

Nach verschiedenen Unruhen die sowohl im Volk wie auch auf politischen Ebenen zu Verlusten führten, wurde das Parlament im Jahr 1929 aufgelöst und eine Königsdiktatur, die sich auf die Macht des Militärs stützte, wurde eingeführt. Kroatien gehörte von nun an zum Königreich Jugoslawien.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach den schrecklichen Geschehnissen des Zweiten Weltkrieges, in denen unzählige Kroaten ums Leben gekommen waren, wurde Kroatien ein Teil der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien. Zahlreiche Protest- und Reformversuche wurden blutig niedergeschlagen, doch der Ruf nach Unabhängigkeit und dem Schritt aus dem Sozialismus wurde in Kroatien immer lauter.

Der kroatische Unabhängigkeitskrieg

Bodenplatte in der Euphrasius-Basilika in  Poreč © lamio - Fotolia.com

Bodenplatte in der Euphrasius-Basilika in Poreč © lamio – Fotolia.com

Im Jahr 1991 wurde in Kroatien der entscheidende Schritt in Richtung Unabhängigkeit unternommen, wobei dieser letztendlich in einem Krieg mündete, der zahlreiche Opfer mit sich brachte. Nach einem Referendum, dass die Souveränität Kroatiens mit großer Mehrheit forderte, wurde selbige offiziell deklariert, was jedoch zu einem militärischen Angriff von Seiten der jugoslawischen Volksarmee führte. Die kriegerischen Auseinandersetzungen konnten erst gegen Ende des Jahres 1995 beigelegt werden und Kroatien konnte sich endlich wieder als unabhängiger und souveräner Staat behaupten.

Nach zahlreichen Wirtschafts- und Sozialreformen sowie einigen Unstimmigkeiten während des Prozesses, ist Kroatien mittlerweile seit dem Juli 2013 vollwertig anerkanntes Mitglied der Europäischen Union. Mit den Folgen des Unabhängigkeitskrieges, in denen große Teile verschiedener Städte und Landschaften zerstört wurden, hat Kroatien bis heute zu kämpfen. Trotzdem ist aus dem einstmals zersplitterten Land eine bewundernswerte Nation erwachsen, die sich durch all die Irrungen und Wirrungen der eigenen Geschichte gekämpft hat und sich nunmehr als offenes, freundliches und vor allen Dingen aufgeschlossenes Land präsentiert, in dem sich jeder willkommen fühlen darf.