Osijek

Historische Altstadt in Osijek ©-nyiragongo-Fotolia.com

Historische Altstadt in Osijek
©-nyiragongo-Fotolia.com

Osijek gilt als die größte Stadt der historischen Region Slawoniens und liegt direkt am Ufer des Flusses Drava. Dank ihrer erlebnisreichen Geschichte kann die Stadt heute ein vielseitiges kulturelles Erbe aufweisen, das sowohl Besucher als auch Einheimische immer wieder fasziniert. Doch die Stadt beeindruckt nicht nur mit ihrem reichhaltigen Kulturprogramm, sondern auch mit der großen Anzahl an Parks und Grünanlagen, in denen man der Hektik des Alltags entfliehen und die Ruhe der Natur genießen kann. Naturfreunde sollten unbedingt auch den nahe gelegenen Naturpark Kopački rit aufsuchen, der als eines der größten Sumpfgebiete in Mitteleuropa bekannt ist.

Zahlen und Fakten

Staat: Kroatien
Gespanschaft: Osijek-Baranja
Einwohnerzahl: 114.616
Fläche: 171 km²
Telefonvorwahl: (+385) 031
Postleitzahl: 31000
Kfz-Kennzeichen: OS

Geschichte

Die Ursprünge der Stadt gehen auf die Zeit der römischen Antike zurück. Damals ließen sich die Römer in dem Gebiet nieder, das heute als Stadtteil Unterstadt bekannt ist und errichteten hier ein militärisches Camp sowie eine Siedlung, der sie den Namen Mursa gaben. Im Jahr 133 n. Chr. erhielt die Stadt durch den römischen Kaiser Hadrian den Status einer Kolonie, die als Aelia Mursa bekannt war. Zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert wurde Kolonie Aelia Mursa weiter ausgebaut. Aufgrund der strategisch bedeutenden Lage der Kolonie ließ man über den die Stadt durchquerenden Fluss eine imposante Steinbrücke errichten. Einige Teile der Brücke kann man heute im Museum der Stadt Osijek bestaunen.

Im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen wurde die Kolonie Aelia Mursa einige Male verwüstet und im Jahr 441 n.Chr. bei der Völkerwanderungen der Hunnen völlig zerstört. Ein Wiederaufbau der Kolonie fand jedoch nicht statt. Das letzte erhaltene Schriftstück, in dem die römische Kolonie Aelia Mursa erwähnt wird, stammt aus dem Jahr 591 n.Chr.. Das nächste erhaltene Dokument, in dem Osijek schriftlich erwähnt wird, stammt aus dem Jahr 1196. Auch wenn die Stadt bis ins Mittelalter hinein keine schriftliche Tradierung vorweisen kann, so belegen archäologische Funde jedoch, dass auch schon zuvor eine erneute Besiedelung des Gebiets stattgefunden hatte.

Im Mittelalter begann man mit dem Bau einer Festung nahe der römischen Unterstadt. Zu dieser Zeit wurde die Stadt von angesehenen Adelsfamilien regiert. Die von 1358 bis 1472 regierende Adelsfamilie Korog hatte die längste Zeit die herrschende Funktion inne. Im Jahr 1526 überfielen die Osmanen die Stadt, plünderten sie und brannten den gesamten Ort anschließend nieder. Hierbei wurde auch die Festung weitestgehend zerstört. Lediglich die Grundmauern des imposanten Bauwerks blieben erhalten. Doch nach der Zerstörung bauten die Osmanen die Stadt samt der Festung wieder auf und ließen sich hier nieder. Unter der osmanischer Führung entstand in Osijek eine acht Meter lange Brücke, die über die Drava und die dahinter liegenden Sümpfe bis in den Ort Darda führte. Aufgrund ihrer enormen Größe war die Brücke im gesamten Land bekannt und galt als kleine Attraktion.

Nach 150 Jahren osmanischer Herrschaft gelang es der österreichisch-ungarische Monarchie im Jahre 1687 die Stadt zurückzuerobern. Es folgten einschneidende Umbaumaßnahmen, die die urbane Struktur vollkommen veränderten. Im Zuge der städtischen Umgestaltung entstand im Jahr 1692 die Oberstadt. Einige Jahre später, im Jahr 1698, wurde unterhalb der Festung schließlich die sogenannte Unterstadt erbaut. Somit war die Stadt nun in drei Teile unterteilt: die Festung, sowie die Ober-und Unterstadt. Im Laufe des 18. Jahrhunderts entwickelten sich diese Stadtteile zunehmend zu drei eigenständigen Gemeinden. Erst 1786 wurden sie als eine homogene Stadt wieder vereint. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts galt der Ort Osijek als die größte Stadt Kroatiens. Doch aufgrund seiner verkehrsungünstigen Lage im Vergleich zu anderen Städten, wie Split oder Rijeka, verlor sie zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung, weshalb sie heute nur noch als viertgrößte Stadt des Landes gilt. Doch die Stadt kann trotz dieser rückläufigen urbanen Entwicklung stolz auf ihr kulturelles Erbe sein. Denn die ereignisreiche Geschichte gab der Stadt zahlreiche Kulturdenkmäler, die belegen, dass Osijek in allen Phasen des mitteleuropäischen Kulturlebens stets involviert gewesen war.

Kultur hautnah erleben

Ein Besuch der Stadt Osijek eröffnet den Blick auf zahlreiche historische Gebäude und Kulturdenkmäler, anhand derer sich die bewegte Stadtgeschichte nacherleben lässt. Insbesondere die barocke Festungsanlage Tvrđa, die den ältesten Kern der Stadt bildet, ist hierbei von besonderer Bedeutung. Denn obwohl nur ein Teil der ehemaligen Wehranlage erhalten geblieben ist, zählt sie bis heute zu den bedeutendsten Altstädten Kroatiens. Des Weiteren lässt sich auf dem Hauptplatz der Tvrđa die im Jahre 1730 errichtete Statue der Heiligen Dreifaltigkeit finden, welche von der imposanten Pestsäule bekrönt wird.

Statue der Heiligen Dreifaltigkeit ©-Valery-Shanin-Fotolia.com

Statue der Heiligen Dreifaltigkeit
©-Valery-Shanin-Fotolia.com

Auf dem aufwendig gestalteten Kapitell der Votivsäule werden harmonisch die Abbilder der Heiligen Dreifaltigkeit zusammen mit auf Wolken schwebenden Engelsfiguren dargestellt. Im Jahr 1784 wurde die Säule durch vier weitere Sockel erweitert, auf denen die Figuren von vier Heiligen (hl. Sebastian, hl. Rochus, hl. Rosalie, hl. Katharina) platziert sind.

Neben den Gebäuden und Denkmäler um die Tvrđa herum zählt auch die Pfarrkirche der Heiligen Peter und Paul zu den besonderen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Der zwischen den Jahren 1894 und 1898 erbaute Sakralbau befindet sich auf dem zentral gelegenen Ante-Starčević-Platz und kann dank des 90 Meter hohen Glockenturms schon von Weitem gesichtet werden. Im Inneren der Kirche können Besucher die eindrucksvollen Fresken des berühmten Malers Mirko Rački bestaunen. Heute ist dieses monumentale Gebäude im neugotischen Stil als Wahrzeichen der Stadt bekannt.

Für Besucher wird die Geschichte Osijeks lebendig erfahrbar.

Unweit der Pfarrkirche lässt sich in der Oberstadt noch eine Reihe von Gebäuden finden, die sich von den umliegenden Häusern abheben. Hierzu zählt zum Beispiel der 1846 im klassizistischen Stil erbaute Palast des Komitats Virovitica oder der Gebäudekomplex des Kroatische Nationaltheaters aus dem Jahr 1866. Außerdem sehr sehenswert ist die sezessionistische Häuserreihe in der Europäischen Avenue. Die in den Jahren 1904 und 1905 entstandenen Gebäude spiegeln auf eindrucksvolle Weise das architektonische Ideal dieser Zeit wieder.

Die Vielfalt der Natur entdecken

Östlich der Stadt Osijek, in der Nähe der Dravamündung liegt der berühmte Naturpark Kopački rit. Hier befindet sich auf einer Fläche von mehr als 177 km² eines der größten und besterhaltenen Sumpfgebiete in ganz Europa. Teile des Reservats grenzen an den ungarischen Nationalpark Duna-Dráva und an das serbische Naturschutzgebiet, wodurch sich das Feuchtbiotop des Naturparks Kopački rit über drei Länder erstreckt. Dieses riesige Gebiet bietet ausreichend Lebensraum für eine vielfältige Flora und Fauna. Dem interessierten Besucher offenbart sich somit gleich zu Beginn ein beeindruckender Blick auf eine reichhaltige Pflanzenwelt. Während sich entlang der Donau vornehmlich Silberweiden und Auenwälder gruppieren, lassen sich längs der Drau vor allen Dingen sogenannte Weichholzwälder finden. Weiterhin machen verschiedene Arten von Wasserlilien, Schilf und anderen Sumpfpflanzen einen wesentlichen Teil der hiesigen Flora aus.

Kopački rit  ©-Josip-Ćutunić-Fotolia.com

Kopački rit
©-Josip-Ćutunić-Fotolia.com

Neben dieser atemberaubenden Pflanzenwelt beherbergt der Naturpark auch eine beeindruckende Tierwelt. So können Besucher kleine Tiere, wie Insekten, Amphibien und Reptilien, aber auch große Säugetiere, wie Wildkatzen, Füchse, Dachse, Rehe, Hirsche und Wildschweine in ihrer natürlichen Umgebung beobachten. Besonders beeindruckend ist außerdem die große Vielfalt der hier ansässigen Vogelarten. Bis zu 293 verschiedene Vogelarten, darunter Möwen, Störche, Wildgänse, Reiher, Kiebitze und Adler wurden im Naturpark Kopački rit bisher dokumentiert. Auch die Gewässer des Parks sind voll mit vielgestaltigen Lebensformen. Bislang wurden etwa 40 verschiedene Fischarten, darunter Karpfen, Hechte, Barsche und Zander, in den Flüssen des Sumpfgebiets erfasst. Es wird jedoch vermutet, dass sich bis zu zu 60 verschiedene Arten in den Gewässern tummeln.

Um die Erkundungstour durch den Naturpark für die Besucher möglichst abwechslungsreich und interessant zu gestalten, steht außerdem ein vielfältiges Ausflugsangebot bereit. Ganz nach Belieben können die Besucher das Gebiet auf dem Boot, mit dem Fahrrad oder ganz einfach zu Fuß auskundschaften. Und auch Freunde des Angelsports kommen dank spezieller Angelangebote nicht zu kurz.

Für alle, die sich während der Erkundungstour durch die Natur nach einer kulinarischen Stärkung sehnen, lohnt sich ein Besuch Schlossanlage Tikves, im Norden des Parks. Hier können kleine und große Feinschmecker im schlosseigenen Restaurant frisch zubereitete Spezialitäten aus der Region genießen und das einzigartige Flair des ehrwürdigen Herrschaftsgebäudes erleben.